On the road in USA

San Francisco

California, der „Golden State“. 1992 war ich das erste Mal in San Francisco, ich besuchte damals einen Freund, den ich ein Jahr vorher auf meiner ersten Thailandreise kennenlernte und der mich einlud. Es war einer von vielen Höhepunkten einer sechs­wöchigen USA-Reise, die mich damals quer durch das Land führte an Orte, die mir aus zahllosen Filmen und Romanen seltsam vertraut schienen: Chicago, San Francisco, Humbold County, Los Angeles, Las Vegas, nach New Mexico und Utah, durch Canyons und Colorado. Fast zwanzig Jahre später machte ich mich erneut auf den Weg, um meinen alten Freund zu besuchen und einzutauchen. San Francisco hatte sich stark zu seinem Nachteil verändert, als Resultat eines ungezügelten Wohnungsmarktes und der Attraktivität für die Beschäftigten im Silicon Valley, die täglich mit eigenen Bussen hin- und hergekarrt werden. Wohnungen sind für Normalverdiener kaum noch bezahlbar und die Obdachlosigkeit hat erschreckende Ausmaße angenommen. Wesentlich bunter und interessanter fand ich hingegen die Szenerie in Oakland, wohin viele ausgewandert sind, die sich San Francisco nicht mehr leisten können oder wollen.

Santa Cruz, Monterey, Carmel, Big Sur

Weiter ging es nach Monterey, Carmel und Big Sur. Magische Namen voller Zauber. Ich kam unter bei Magaret, einer wundervollen älteren Lady, die in dem kleinen Küstenort Pacific Grove lebt und mir wertvolle Einblicke gewährte. Sie kümmert sich beruflich um Damen in ihrem Alter, die ihre Häuser verkaufen wollen, sie berät und unterstützt sie dabei. Sie nahm mich mit nach Carmel, wo eine ihrer Kundinnen eine wunderschönes Redwood-Haus aus den Siebzigern an den Mann bzw. die Frau bringen wollte. Zu der Zeit, als ihr Mann diese Haus baute, war sie eine sehr aktive Friedensaktivistin, mittlerweile hatte sie sich mehr auf das Nähen von Quilts, den typischen amerikanischen Patchworkdecken, verlegt. Ich erfuhr allerhand über Clint Eastwood, der einst Bürgermeister von Carmel war, aber mittlerweile nicht mehr so gut gelitten war, da er seine Ex-Frau bei der Scheidung hatte leer ausgehen lassen. Großartig war der Besuch des berühmten Monterey Bay Aquariums, vor allem die Quallen­ausstellung war wirklich faszinierend. Nach einem Tagesausflug nach Carmel ging es weiter in die lässige Surferstadt Santa Cruz, wo allerdings gerade wegen dem anstehenden „Graduation Day“ alles ausgebucht war und doppelt so teuer. Ich hatte mal wieder Glück und kam unter bei Maria, einer bezaubernden Mexikanerin, die eine kleine Familenpension in der Nähe des Beachs betreibt und ihren Gästen wunderbare mexikanische Küche serviert. Muy rico, Maria!

Ein paar Tage in Seattle

Seattle, Stadt des Grunge, Sitz von Microsoft und der Hipsterkaffeekette Starbucks. Gleich gegenüber des arg touritschen, aber dennoch sehenswerten Pike Place Market ist die erste Filiale der Kette, wo ich dann auch ausnahmsweise mal einkehrte und ein schwarzes Heißgetränk zu mir nahm. Seattle hat einen verdammt guten Groove, es gibt viel zu schauen und jede Menge Kunst und Musik. Passenderweise hatte das erstklassige Seattle Art Museum gerade eine tolle Ausstellung über Kurt Cobain. Und, mal wieder Glückssache, ein Wahnsinnsfestival, das Bumpershoot, das jedes Jahr aus dem Gelände rund um die „Space Needle“ statfindet. Auch ein unbedingtes Muss: der Besuch des „Museum Of Pop Culture“, das von Microsoft-Mitgründer Paul Allen als „Experience Music Project“ gestiftet wurde und neben zahlreichen Artefakten aus der Popmusik auch eine beeindruckende Sammlung von Science-Fiction-Exponaten beherbergt. Der bunte, multimorphe und an eine Raumschiff erinnernde Bau stammt von dem Stararchitekten Frank Gehry und wäre allein schon eine Reise wert. Seattle, I like your style!

Südstaaten und Washington

North Carolina, der nördlichste der Südstaaten. Hier lebt einer der wunder­barsten Menschen, die ich kenne, und so habe ich einige Male diesen Bundesstaat besucht, obwohl er gewiss nicht zu den interessantesten gehört.  Das hatte zur Folge, dass ich mir immer ein bis zwei weitere Ziele aussuche, wenn ich mich nach NC begebe. Einmal ging es nach Washington, DC und New Orleans, ein anderes Mal nach Seattle und Vancouver, dann wieder stand Kalifornien auf dem Zettel. New Orleans gefiel mir am besten, eine bunte, quirlige Stadt mit viel Musik und toller Küche. Ich hatte großes Glück, dass zufällig gerade zu der Zeit, als ich dort war, das fantastische „New Orleans Jazz and Heritage Festival“ stattfand, mit allem, was die Gegend musikalisch und kulinarisch zu bieten hat. Washington war allerdings auch spannend, insbesondere die Szene, wo ich auf dem riesigen Parkplatz des Pentagon von vier Officers für cirka eine Stunde festgehalten und befragt wurde, weil ich mit ein Foto des Gebäudes gemacht hatte – was dummerweise streng verboten war. Ich bin recht sicher, dass ich im Anschluss überwacht wurde. Und beim Anschlussflug nach Orleans einige Tage später wurde mein Koffer durchsucht und ich musste mich bis auf die Unterhose ausziehen. Safety first.

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