"Ibiza fuckin island!"

Unterwegs auf Ibizas Campo

Ibiza, die grüne Insel. Im Jahr 2005 hatte ich die Gelegenheit, die  Insel durch ein berufliches Engagement bei dem lokalen Inselmagazin etwas näher kennenzulernen und fühle mich ihr seither verbunden. Auch wenn ich mich nicht entscheiden konnte, dort dauerhaft zu bleiben und stattdessen nach einigen Monaten im November wieder in das  kalte und graue Hamburg zurückkehrte. Bin wohl nicht so der Inseltyp, und meine Hamburger Freunde fehlten mir. Dennoch hatte ich eine großartige Zeit. Einen guten Teil davon machte die Natur aus, die man zwischen Touristenhochburgen und Großraumdiscos ausmachen kann. Bedauerlicherweise wird man häufig ausgebremst, wenn man mal abseits der Straße ein wenig in die Landschaft eintauchen möchte, ganz schnell kommt dann oft ein Schild „Coto privada de casa“. Die Insel ist das ganze Jahr grün, der Winter ist kurz – kann aber durch Mark und Bein gehen, wegen der feuchten, salzhaltigen Luft und der Tatsache, dass viele Häuser keine Heizung besitzen…

Party-People und andere Freaks

Bienvenido a isola loca! Ibiza, die Insel der Schönen und Reichen. Dieses Klischee hält sich hartnäckig, seit Ibiza in den siebzigern vom jetset und den Hippies entdeckt wurde. Auch heute noch ist die insel ein Magnet für Party-People, für Alt-, Neo- und Möchtegernhippies. Viele, die die Insel schon länger kennen als ich, sagen jedoch, die richtig geile Party sei seit spätestens Ende der Neunziger gelaufen. Und eines ist klar: Ohne „Dinero“ läuft hier wenig, bis nichts. Die Eintrittspreise in den angesagten Clubs sind mehr als happig – zwischen fünfig und achtzig Euro zahlt man hier, je nach Bekanntheitsgrad des DJs. Dazu kommen Getränkepreise von zehn Euro und mehr für eine Cola und wer rausgeht, um sich am Mietwagen einen Drink aus der Kühlbox zu genehmigen, muss halt nochmal Eintritt zahlen. An dieser Stelle sei einmal herzlich den beiden Paradiesvögeln Dasty und Michelangelo   gedankt, in deren Schlepptau ich in alle Clubs für lau und in den VIP-Bereich kam. Wobei ich dieser VIP-Nummer wenig abgewinnen konnte. Da tummeln sich dann Leute, die in einer Nacht mal mehrere zehntausend Euro auf den Kopf hauen und sich dafür derbe abfeiern – nicht so meine Welt… Wenn Sven Väth nach dem Clubauftritt just for fun noch eine Runde am Beach auflegt, kommt gleich die Polizei vorbei und kassiert eine deftige „Mulda“ (Strafe) für die nicht angemeldete Veranstaltung. Immer wieder empfehlenswert: der Mercadillo am Samstag, ein großer, nicht allzu touristischeer Flohmarkt auf dem Gelände des Hippodromo, wo sich die Szene trifft zum Kaffee, Trommeln oder Didgeridoo spielen. Und auch schön, wenn auch recht voll mitunter: Der sonntägliche Sonnenuntergang mit Trommeln und Feuerzauber am Benirras-Strand.

Tourismus und andere Sünden

Nicht alles ist schön auf Ibiza. Grundstücksspekulation, Bauwahn und Massentourismus haben auf der Insel ihre Spuren hinterlassen. Es gibt jede Menge hässlicher Betonburgen, vor allem San Antonio, Lieblingsziel der englischen Massentouristen, hat davon reichlich zu bieten. In der Saison, die etwa von Mai bis Ende September reicht, versuchen die Menschen auf Ibiza, mit manchmal drei Jobs genügend Geld ranzuschaffen, dass es für den Rest des Jahres einigermaßen reicht. Enstpannter geht es zu, wenn die Insel nicht so attraktiv für Touristen ist und die großen Clubs nach den obligatorischen „Closing Parties“ ihre Tore geschlossen haben. Dann rücken die Bewohner der Insel zusammen, treffen sich und feiern und erholen sich vom Stress der Saison.

Zu Gast bei Freunden…

Auf die Menschen kommt es an. Ich hätte Ibiza niemals so intensiv erlebt, hätte ich nicht das Glück gehabt, die richtigen Menschen zu treffen. Mein Dank geht vor allem an meinen Pfälzer Landmann Gerhard Höhn, den es Anfang des Jahrtausends auf die Insel verschlug und der dort ein Segelboot erstand, mit der Vision, damit dereinst die Welt zu umschiffen. Nunja, das Boot ist mittlerweile längst verkauft, der Mann lebt allerdings immer noch auf der Insel und fertigt wundervolle Skulpturen und Leuchtobjekte aus Metall, die er gerne mit Fundstücken und Naturartsefakten kombiniert (hier seine Webseite). Er hat mir sehr geholfen, mich rumgekarrt, mir alles gezeigt, was wichtig ist und mich guten Leuten vorgestellt. Vor allem Sola, einer wundervollen deutschen Malerin, die leider nicht mehr lebt. Sie, die Jahrzehnte auf der Insel lebte, verkörperte den Spirit Ibizas in perfekter Weise und jeder kannte und liebte sie.

 

Fincas und Wehrkirchen – Ein Blick auf das alte Ibiza

Last not least – die schönen Seiten der Insel. Weiter oben war von den Bausünden der letzten Jahrzehnte die Rede. Das „alte“ Ibiza ist ungleich schöner und findet seinen Höhepunkt in Dalt Vila, der Altstadt von Ibiza-Stadt und den massiven Wehrkirchen in den vielen kleinen Dörfern. Dort fallen vor allem die zahlreichen sehr massiven, weiß getünchten Wehrkirchen auf. Die Form hatte ihre Gründe. In früheren Zeiten wurde Ibiza gerne mal von Piratenbanden heimgesucht Dann war es für die Bewohner Zeit, die Familie und alle Siebensachen zusammenzupacken, das Haus zurückzulassen und sich in der Kirche mit allen anderen zu verschanzen, um die Invasion auszusitzen. Ich mochte die Schlichtheit der Bauten sehr, weil sie so ganz anders als kirchliche Prunkbauten und Kathedralen daherkommt. Eine Kathedrale gibt es allerdings auch, auf dem Hügel von Dalt Vila, ganz oben in der Altstadt Ibizas. Der Weg dort hinauf lohnt sich, es gibt einen fantastischen Ausblick über die Insel.

Secured By miniOrange